Konflikte lösen durch Mediation: Vom Rechthaben zum Verstehen
Zwei Fenster im Konflikt – warum wir oft aneinander vorbeireden
Konflikte beginnen selten laut. Meist starten sie mit einem Gedanken wie: «Das kann doch nicht so schwer zu verstehen sein.» Und enden später bei: «Mit dir kann man einfach nicht reden.»
Was dazwischen passiert, hat erstaunlich oft mit zwei inneren «Fenstern» zu tun, durch die Menschen auf dieselbe Situation schauen.
In der Mediation spielt dieses Bild der Fenster eine zentrale Rolle. Window I ist ein Fachbegriff für die jeweils eigenen, zumeist festgefahrenen Sichtweisen und die Selbstbehauptung der Beteiligten. Gespräche scheitern oft, wenn beide nur bei dieser Eigensicht bleiben – obwohl beide Seiten eigentlich eine Lösung suchen. Erst wenn Window II, der Fachbegriff für die Öffnung hin zu neuen Perspektiven aus der gegenüberliegenden Seite, aufgeht, verändert sich die Atmosphäre: Frische Ideen strömen herein wie Luft in einen stickigen Raum. Der Blick in die andere Seite öffnet sich in Richtung Verständnis für das Gegenüber.
«Mediation öffnet Fenster, wo Begegnung kaum noch möglich scheint – und lässt frische Luft, Licht und neue Sichtweisen ins Gespräch.»
A) Window I – Das Fenster der Eigensicht und Selbstbehauptung: «So sehe ich das.»
Window I richtet den Blick nach innen und auf die eigene Perspektive. Hier geht es um die eigene Wahrnehmung, die eigenen Bedürfnisse – und auch darum, dafür einzustehen.
In diesem Fenster zeigen Menschen, wie sie die Situation erleben und wo ihre Grenzen liegen. Das ist wichtig und legitim. Ohne Selbstbehauptung würden eigene Interessen und Bedürfnisse untergehen.
Die potenzielle Gefahr in der Phase von Window I: Wenn zwei Menschen nur aus ihrer Eigensicht sprechen, prallen Perspektiven aufeinander wie zwei Fronten. Deshalb ist die Neutralisierung durch die mediierende Person so wichtig. Während des Mediationsprozesses werden die jeweiligen Aussagen durch den Mediator/die Mediatorin wertfrei umformuliert und visualisiert, damit sie später für das Gegenüber nachvollziehbar werden.
«Eigensicht schafft Klarheit über sich selbst – jedoch (noch) keine Verbindung zum Gegenüber.»
Beispiel aus dem Arbeitsalltag: Zwei Teamkollegen geraten immer wieder aneinander, weil Aufgaben unterschiedlich erledigt werden.
Eigensicht (Window I):
• Person A: «So kann ich nicht arbeiten, wenn ständig alles kurzfristig geändert wird. Deadlines müssen geplant und eingehalten werden!»
• Person B: «Ich brauche Flexibilität – ich kann nicht jeden Schritt vorab festlegen.»
Beide sprechen nur aus ihrer Sicht. Jede Aussage wirkt zunächst wie eine Verteidigung der eigenen Arbeitsweise. Das Gegenüber wird dabei schnell zum Problem.
Während der Mediation werden bei der Darlegung der Interessen und Bedürfnisse daher die «unsichtbaren» Anliegen der Medianden herausgearbeitet. Das sind Bedürfnisse, Gefühle, Werte und Überzeugungen. Das hilft später, das Verständnis des Gegenübers zu gewinnen.
B) Window II – Das Fenster der Sicht auf den/die andere/n und der Verbindung: «Ich versuche, dich zu verstehen.»
Window II öffnet den Blick für die andere Person. Hier geht es darum wahrzunehmen, was den/die andere/n bewegt, und eine Brücke zwischen beiden Erlebniswelten zu bauen. Verbindung entsteht hierbei im Rahmen der Mediation, wenn der Blick bewusst auf die Interessen und Bedürfnisse der jeweils anderen Seite gerichtet wird.
Hier steht nicht mehr nur die eigene Wahrheit im Raum, sondern die Beziehung zwischen zwei Wahrheiten.
«Verbindung entsteht, wenn Menschen innerlich einander Platz machen.»
Dasselbe Beispiel – anderes Fenster. Zurück also zu den Teamkollegen:
Verbindung (Window II):
• Person A: «Ich merke, dass dir Flexibilität wichtig ist, um kreativ reagieren zu können.»
• Person B: «Und ich verstehe langsam, dass dich die vielen Änderungen stressen, weil du verlässlich planen willst.»
Jetzt geht es nicht mehr nur um Abläufe oder Deadlines. Sondern um Sicherheit, Arbeitsstil und Vertrauen. Darüber lässt sich konstruktiv sprechen, Optionen sammeln und damit in die Verhandlung für eine gemeinsame Lösung gehen.
Warum Konflikte oft stecken bleiben
Unter Druck rutschen Menschen fast automatisch in die Eigensicht. Sie erklären, rechtfertigen, verteidigen. Das gibt ein Gefühl von Kontrolle – verschärft jedoch häufig den Konflikt.
Stets nur bei sich zu bleiben führt oft zu:
• Machtkämpfen
• Trotzreaktionen
• Rückzug oder Angriff
• Endlosen Wiederholungen derselben Argumente
«Wer nur um die eigene Sicht kämpft, verliert leicht den Blick für die Beziehung.»
Der Blick in die andere Seite dagegen verlangsamt das Gespräch. Es braucht Bereitschaft zuzuhören, nachzufragen und die Welt für einen Moment durch die Augen des/der anderen zu betrachten. Genau das macht es so wirksam.
Was Mediation anders macht
Mediation nutzt bewusst beide Fenster. Zuerst dürfen Menschen in ihrer Eigensicht sichtbar werden: «Was erlebe ich? Was ist mir wichtig? Wo sind meine Grenzen?»
Dann unterstützt die Mediatorin oder der Mediator dabei, Schritt für Schritt auch das zweite Fenster zu öffnen: «Was bewegt die andere Person? Was ist ihr wichtig? Was davon kann ich zumindest nachvollziehen?»
Mediatoren helfen dabei,
• Selbstbehauptung ohne Angriff zu formulieren
• Vorwürfe in persönliche Sichtweisen zu übersetzen
• gegenseitiges Verstehen aufzubauen, ohne Unterschiede zu verwischen
«Sobald Menschen sich selbst ausdrücken dürfen und gleichzeitig verstanden werden, verändert sich die Gesprächsatmosphäre spürbar.»
Und dann passiert etwas Spannendes: Lösungen entstehen oft nicht durch Nachgeben, sondern durch neues Verstehen. Weil plötzlich beide Perspektiven im Raum sein dürfen. Erfahrungsgemäss sind solche Lösungen dann auch nachhaltig wirksam.
Fazit – Verbindung ist wirkungsvoller als Gewinnen
Viele Konflikte wirken unlösbar, solange nur aus der eigenen Sicht gesprochen wird. Erst wenn auch das zweite Fenster mit Blick auf die Interessen und Bedürfnisse der gegenüberliegenden Seite aufgeht, verändert sich die Dynamik. Nicht weil plötzlich alle einer Meinung sind, sondern weil die Beteiligten beginnen, einander zu verstehen, statt sich gegenseitig zu bekämpfen. Genau dort liegt der Wendepunkt: weg vom Gegeneinander, hin zu mehr Selbstklärung – und echter Verbindung.
Vielleicht erkennen Sie sich in manchen Konflikt-Beispielen wieder. Dieses Gefühl, immer wieder dasselbe zu sagen – und trotzdem nicht anzukommen. Diese Mischung aus Frust, Rückzug oder innerer Anspannung.
Manchmal reicht ein Perspektivwechsel. Manchmal braucht es einen geschützten Rahmen, um das zweite Fenster überhaupt öffnen zu können.
In meinen Coachings und Mediationen unterstütze ich Menschen genau in solchen Momenten: wenn Gespräche feststecken, (Arbeits-) Beziehungen belastet sind oder Entscheidungen innerlich blockiert wirken. Nicht mit schnellen Tipps, sondern mit Freiraum, Struktur und einem Blick für das, was unter der Oberfläche wirkt.
Wenn Sie das Gefühl haben, dass ein Konflikt oder ein schwieriges Thema Sie gerade mehr Kraft kostet, als es sollte, dann lassen Sie uns darüber sprechen.
→ Melden Sie sich bei mir. Sehr gerne unterstütze ich Sie in der Wellkomm-Gesprächsoase bei Ihrem Prozess hin zu einer nachhaltigen Lösung.
Eine gekonnte Kommunikation mit sich selbst und anderen ist zentral für
Klarheit, Harmonie und wirkungsvolles Handeln – das A und O!
→ Lassen Sie sich mittels Coaching, Mediation, Walk & Talk oder Training darin unterstützen, konstruktive Lösungen zu finden und Ihre persönliche sowie berufliche Entfaltung voranzubringenn.
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