Konflikte verstehen und lösen – mit Hilfe des Vagusnervs

Klingt fast wie ein antiker Philosoph oder eine exotische Speise, nicht wahr? Tatsächlich ist er Ihr heimlicher Kommunikationscoach, der Ihnen hilft, mit sich selbst und anderen in Verbindung zu treten. Dieser ist tief in Ihrem Körper versteckt! Bevor Sie beim nächsten Konflikt hochgehen wie ein Toaster im Kurzschlussmodus, lohnt es sich, diesen Nerv einmal genauer kennenzulernen.

Konflikte gehören zum Leben; das ist nun mal so. Ob im Beruf, in der Partnerschaft oder im Alltag – überall, wo Menschen aufeinandertreffen, prallen manchmal unterschiedliche Bedürfnisse, Werte oder Erwartungen aufeinander. Doch warum eskalieren manche Situationen blitzschnell, während andere ruhig und konstruktiv gelöst werden können?

Ein oft übersehener Schlüssel liegt tief in unserem Nervensystem verborgen: der Vagusnerv. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, wie entscheidend er für unsere Fähigkeit ist, mit Stress, Emotionen und Konflikten umzugehen – und wie wir ihn gezielt stärken können. Kommunikation ist in der Konfliktlösung eines der zentralen Elemente. Sie funktioniert dabei nicht nur über Sprache, sondern ist über den Vagusnerv tief in der neurobiologischen Ko-Regulation verankert.

«Kommunikation ist mehr als Worte – sie ist ein Tanz des Nervensystems.»

Ko-Regulation beschreibt den Prozess, bei dem sich zwei oder mehr Menschen gegenseitig beruhigen und regulieren. Es bedeutet, dass wir über Beziehung, Nähe und Kommunikation unser Nervensystem aufeinander abstimmen. Wenn wir also mit jemandem in einem sicheren, einfühlsamen Kontakt sind und Vertrauen verspüren, kann unser Körper Stress reduzieren und in einen Zustand von Ruhe und Verbundenheit wechseln. Unser Nervensystem «liest» dabei die Signale des anderen – etwa Tonfall, Mimik, Körperhaltung – und passt sich entsprechend beruhigt an.

Vagusnerv? Noch nie gehört?

1) Was ist der Vagusnerv – und warum ist er so wichtig?

Der Vagusnerv (lateinisch «vagus» = «der Umherschweifende») ist der längste Nerv in unserem Körper. Er verläuft vom Gehirn durch Hals, Brustkorb und Bauchraum und verbindet unser Gehirn mit Herz, Lunge, Magen, Darm – und sogar mit der Stimme und der Mimik. Damit spielt er eine zentrale Rolle für unsere Kommunikation sowie für unser Wohlbefinden.

Er ist Teil des parasympathischen Nervensystems, also des «Ruhenervs». Während das sympathische Nervensystem in Stresssituationen aktiviert wird («Kampf oder Flucht»), hilft der Vagusnerv dabei, zu entspannen, sich sicher zu fühlen – und offen zu bleiben für soziale Interaktion.

Wenn der Vagusnerv gut arbeitet, fällt es uns leichter:

  • ruhig zu atmen,
  • klar zu denken,
  • empathisch zu kommunizieren,
  • und Konflikte besonnen zu lösen.

2) Der Zusammenhang zwischen Nervensystem und Konfliktverhalten

«Wirkliche Verständigung beginnt dort, wo das Nervensystem Vertrauen entfaltet.»

In der Konfliktarbeit mit Coaching und Mediation erlebe ich oft: Wer gestresst ist, hört schlechter zu, reagiert schneller aggressiv oder zieht sich zurück. Aus neurobiologischer Sicht ist das nachvollziehbar. Bei wahrgenommenem Stress oder Bedrohung schaltet unser Körper automatisch in den Überlebensmodus – gesteuert vom sympathischen Nervensystem.

Der Vagusnerv wirkt wie ein innerer Schalter, der uns hilft, wieder in Balance zu kommen und Vertrauen zu gewinnen. Wenn er aktiviert ist, sendet er das Signal: «Du bist sicher.» Diese Sicherheit ist die Grundlage dafür, überhaupt lösungsorientiert denken, zuhören und sprechen zu können.

Ein Konzept, das diesen Zusammenhang besonders anschaulich erklärt, ist die Polyvagal-Theorie von Dr. Stephen Porges. Sie zeigt: Der Zustand unseres Nervensystems beeinflusst massgeblich, wie wir Konflikte wahrnehmen und auf sie reagieren.

3) Wie kann Coaching und Mediation den Vagusnerv stärken?

Im Coaching werden Menschen dabei unterstützt, sich ihrer Gedanken- und Gefühlsmuster bewusst zu werden, Ressourcen zu aktivieren und Strategien für den Umgang mit Stress zu entwickeln. Methoden wie Achtsamkeitstraining, Atemübungen oder Imaginationsarbeit, die häufig in Coachings integriert werden, stimulieren gezielt den Vagusnerv. Allein das bewusste und langsame Atmen kann den Parasympathikus aktivieren und damit das Gefühl von Sicherheit und Ruhe fördern.

Mediation wiederum bietet einen geschützten Raum, in dem Konflikte auf eine konstruktive Weise bearbeitet werden können. Wenn sich Menschen gesehen und gehört fühlen und Lösungen gemeinsam erarbeitet werden, kann das Nervensystem aus dem «Kampf- oder Fluchtmodus» zurück in einen Zustand der sozialen Verbundenheit wechseln. Diese Ko-Regulation – also das Beruhigen über den zwischenmenschlichen Kontakt – ist ein entscheidender Faktor für die Stärkung der Vagusnerv-Funktion.

In einem Coaching– oder Mediationsprozess kann also das gezielte Einbeziehen des Vagusnervs helfen, dass Menschen sich schneller regulieren und dadurch wieder in einen Zustand von innerer Ruhe und Offenheit gelangen. Das ist besonders wertvoll, wenn Emotionen hochkochen oder Gespräche festgefahren sind.

4) Praktische Übungen zur Stärkung des Vagusnervs

Folgende Übungen lassen sich leicht zur Stärkung des Vagusnervs anwenden:

  • Atemübungen: Langsames Atmen mit verlängerter Ausatmung (z.B.  4 Sekunden einatmen, 6 Sekunden ausatmen) beruhigt das Nervensystem.
  • Summen oder leises Singen: Die Vibrationen stimulieren direkt den Vagusnerv.
  • Achtsamkeit und Körperwahrnehmung: Wer im Körper präsent ist, kann besser mit Stress umgehen.
  • Kälteimpulse: Kurzes kaltes Wasser im Gesicht oder Nacken aktiviert ebenfalls den Vagusnerv.
  • Positive soziale Verbindung: Ein echtes Lächeln, Augenkontakt oder ein achtsames Gespräch wirken oft Wunder.

Fazit: Der Vagusnerv als Verbündeter in der Konfliktlösung

«Der Vagusnerv ist die leise Brücke zwischen Herz und Stimme, die echte Begegnung ermöglicht.»

Konflikte lassen sich nicht immer vermeiden – wir können jedoch lernen, besser mit ihnen umzugehen. Der Vagusnerv ist dabei ein wirkungsvoller innerer Helfer. Wenn wir verstehen, wie unser Nervensystem funktioniert, können wir gezielter intervenieren – in Coachingprozessen, in der Mediation und im Alltag.

Wer den Vagusnerv stärkt, stärkt auch die Fähigkeit zur Selbstregulation, Empathie und klaren Kommunikation. Und genau das sind die Grundlagen für nachhaltige Lösungen – in jeder Beziehung.

Tipp:

Probieren Sie vor dem nächsten schwierigen Gespräch eine kurze Atemübung, kühlen Sie Ihr Gesicht kurz mit kaltem Wasser oder summen Sie leise vor sich hin. Es mag simpel wirken – doch neurobiologisch betrachtet aktivieren Sie genau den Teil Ihres Nervensystems, der für Verbindung, Klarheit und Kooperation zuständig ist.

Mein Ansatz:

In meinen Coachings und Mediationen fliesst das Wissen um den Vagusnerv ganz selbstverständlich mit ein – unabhängig davon, mit welchem Thema oder Anliegen Sie zu mir in die Wellkomm-Gesprächsoase kommen. Denn gerade in herausfordernden Lebensphasen ist es hilfreich, auch den Körper mit ins Boot zu holen. Gemeinsam betrachten wir nicht nur die äusseren Konflikte, sondern auch die inneren Prozesse, die unser Verhalten und Erleben steuern. So entwickelt sich Ihr Bewusstsein für diese Prozesse und es entsteht nachhaltige Veränderung – auf allen Ebenen.

→ Ein Thema bewegt Sie derzeit und Sie wünschen sich eine achtsame, professionelle Begleitung auf Ihrem Weg? Ich bin gerne für Sie da. Kontaktieren Sie mich. Ich freue mich auf Sie!

Eine gekonnte Kommunikation mit sich selbst und anderen ist für Frieden zentral − das A und O!

 Lassen Sie sich mittels CoachingMediation, einem Walk & Talk oder mittels Training bei Ihrer Krisenbewältigung und Konfliktlösung unterstützen!

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