Was haben eigene Gedanken mit Kommunikation zu tun? Ein Blick hinter die Worte

Kommunikation wirkt auf den ersten Blick einfach: Eine Person spricht, die andere hört zu. Doch zwischen diesen beiden Momenten geschieht etwas Entscheidendes – in unseren Gedanken. Dort wird jede Botschaft bewertet, eingeordnet, gefärbt und mit Bedeutung versehen. Genau hier entstehen Verständnis, Missverständnis, Nähe oder Abwehr.

Noch bevor ein Wort ausgesprochen wird, hat in unserem Inneren bereits ein Dialog begonnen. Erfahrungen, Werte, alte Erinnerungen und Überzeugungen – alle in unserer innersten «Schatzkiste» behütet – melden sich zu Wort. Sie entscheiden darüber, ob wir uns sicher fühlen, angegriffen, übergangen oder gesehen.

Oder anders gesagt:

«Nicht der Mund entscheidet, was gesagt wird, sondern der Gedanke, der ihn lenkt.»

Was Kommunikationsforschung wirklich unter Kommunikation versteht

Kommunikationsforschung bestätigt: Kommunikation ist nicht nur Informationsaustausch. Sie ist Deutung, Beziehungsgestaltung und innere Reaktion – und sie findet ebenso in uns selbst statt wie zwischen Menschen.

Schauen wir, was Carl Rogers, Paul Watzlawick und Friedemann Schulz von Thun aus der Sicht von Kommunikationsforschern dazu meinten:

1) Carl Rogers – Die innere Erlebniswelt als Ausgangspunkt

Carl Rogers war einer der ersten, der die innere Erlebniswelt des Menschen ins Zentrum der Kommunikation rückte: Er postulierte, dass Kommunikation nicht erst im gesprochenen Wort, sondern lange davor beginnt – in unseren Gedanken. Nach Rogers reagieren wir nicht auf objektive Worte, sondern auf die subjektive Bedeutung, die wir ihnen innerlich geben. Zwischen Reiz und Reaktion liegt unsere Wahrnehmung: geprägt von Erfahrungen, Erinnerungen, Bewertungen und inneren Dialogen.

Kommunikation findet damit nicht nur zwischen zwei Menschen statt, sondern gleichzeitig auch in jedem Einzelnen. Unsere Selbstgespräche sind kein Nebenschauplatz, sondern ein wesentlicher Teil des kommunikativen Geschehens.

2) Paul Watzlawick – Sachebene und Beziehungsebene

Dieses innere Verständnis von Kommunikation wird durch Paul Watzlawick weiter vertieft. Er machte deutlich, dass jede Kommunikation immer auf zwei Ebenen stattfindet: einer sachlichen Inhaltsebene und einer Beziehungsebene. Wir übermitteln nie nur Informationen, sondern immer auch eine Haltung – zu unserem Gegenüber und zu uns selbst.

Wie etwas gesagt wird, wirkt damit oft stärker als das, was gesagt wird. Dabei ist Kommunikation unausweichlich: Selbst Schweigen, Wegschauen oder ein tiefer Atemzug senden Botschaften. Unsere inneren ZuständeGedanken, Gefühle und Bewertungen – werden unweigerlich Teil dieses Beziehungsdialogs, auch wenn wir sie nicht bewusst aussprechen (geschweige sie uns bewusst sind).

3) Friedemann Schulz von Thun – Das Vier-Seiten-Modell

Friedemann Schulz von Thun erweiterte dieses Verständnis konsequent. Mit seinem Vier-Seiten-Modell zeigte er, dass jede Nachricht gleichzeitig mehrere Bedeutungen trägt: einen Sachinhalt, eine Selbstoffenbarung, einen Beziehungshinweis und einen Appell.

Wir hören nicht nur, was jemand sagt, sondern auch, was es über ihn, über uns und über unsere Beziehung aussagt. Welche dieser Ebenen in uns besonders laut wird, hängt stark von unseren Gedanken, Erwartungen und inneren Überzeugungen ab. Deshalb können zwei Menschen denselben Satz hören – und innerlich völlig Unterschiedliches erleben.

4) Kommunikation als Zusammenspiel von Gedanken und Beziehung

Aus der Verbindung dieser drei Ansätze entsteht ein erweitertes Verständnis von Kommunikation: Sie ist ein fortlaufender Austausch zwischen innerer und äusserer Welt. Was wir denken, beeinflusst, wie wir sprechen. Was wir hören, wird durch unsere Gedanken gefiltert. Und was wir fühlen, prägt, wie wir Bedeutung herstellen.

Oder anders formuliert:

«Zwischen zwei Menschen sprechen immer auch ihre inneren Stimmen miteinander.»

Warum Kommunikation so oft misslingt

Paul Watzlawick brachte es auf den Punkt: «Man kann nicht nicht kommunizieren.» Auch Schweigen, ein Stirnrunzeln oder ein inneres Augenrollen senden Signale. Schulz von Thun zeigte zudem, dass jede Nachricht mehrere Ebenen trägt, und Carl Rogers betonte, wie stark Wahrnehmung und innere Haltung unser Gegenüber beeinflussen.

Die eigentliche Herausforderung in der Kommunikation liegt somit selten in den Worten, sondern in der inneren Übersetzung. Wenn jemand sagt: «Du bist heute spät dran», hören wir vielleicht: «Du bist unzuverlässig» oder «Du nimmst mich nicht ernst». Diese Bedeutungen entstehen nicht im Satz – sie entstehen im Kopf.

«Zwischen einem Satz und seiner Wirkung liegt immer eine Gedankenwelt.»

1) Typisches Missverständnis

Unsere innere Kommunikation bestimmt somit unsere äussere. Gedanken wirken wie eine Brille: Sie färben, was wir hören, wie wir reagieren und was wir zurücksagen. Wer innerlich auf Angriff eingestellt ist, wird selbst die neutralste Aussage als Kritik erleben.

Das Missverständnis dabei: Viele glauben, andere müssten sich nur besser ausdrücken. In Wahrheit entsteht das meiste Konfliktpotenzial dort, wo Menschen unterschiedliche innere Geschichten über dieselben Worte erzählen.

«Wir streiten selten über Worte, sondern über ihre innere Bedeutung.»

2) Auswirkungen im Beruf und Alltag

Im Berufsleben bleibt ein innerer Gedanke wie «Ich werde sowieso nicht ernst genommen» selten ohne Folgen. Wer aus dieser Haltung heraus kommuniziert, spricht vorsichtiger als nötig, verteidigt sich frühzeitig oder geht innerlich auf Distanz. Das kostet Energie, verlangsamt Entscheidungsprozesse und schwächt Zusammenarbeit sowie Führungskraft. Missverständnisse werden nicht geklärt, sondern verwaltet – mit spürbaren Auswirkungen auf Produktivität, Vertrauen und letztlich die Performance des gesamten Unternehmens.

Im privaten Umfeld wirkt derselbe Mechanismus leiser, aber nicht weniger tief. Oft reicht ein einzelner Satz, um alte innere Filme in Gang zu setzen. Ein Beispiel: Eine Person sagt nüchtern «Du hast die Milch vergessen.» Beim Gegenüber entsteht jedoch augenblicklich der innere Satz «Ich bin immer falsch.» Was folgt, ist Ärger, Rückzug oder Rechtfertigung. Der Konflikt dreht sich nicht um die Milch, sondern um das unbewusste Selbstgespräch, das den inneren Frieden untergräbt.

Unverständnis wirkt damit wie ein unsichtbarer Kostenfaktor: Im Unternehmen zeigt es sich in Reibungsverlusten und sinkender Leistung, im Privaten in emotionaler Unruhe und wiederkehrenden Konflikten. Erst wenn Menschen erkennen, dass nicht die Situation selbst, sondern ihre innere Deutung darüber entscheidet, entsteht Klarheit – und mit ihr die Möglichkeit für echte Wirksamkeit im Beruf und innere Ruhe im persönlichen Leben.

«Was wir hören, entsteht zur Hälfte in unserem eigenen Kopf.»

Wie Kommunikation bewusster gelingen kann

1) Innere Haltung

Bewusste Kommunikation beginnt mit Selbstwahrnehmung, also mit der Fähigkeit, die eigenen Gedanken, Gefühle und inneren Bewertungen überhaupt erst zu bemerken. Nicht jeder Gedanke, der auftaucht, beschreibt die Wirklichkeit, doch jeder einzelne beeinflusst, wie wir sprechen, zuhören und reagieren.

Wenn wir unsere innere Stimme kennen, können wir erkennen, wann sie aus alten Erfahrungen, aus Angst oder aus Gewohnheit spricht. Dadurch gewinnen wir Abstand zu automatischen Reaktionen und müssen ihr nicht mehr blind folgen, sondern können bewusst entscheiden, welche Worte und welche Haltung wir in ein Gespräch einbringen.

«Wer seine Gedanken bewusst wahrnimmt, gewinnt Freiheit in seiner Sprache.»

2) Hilfreiche Impulse für den (Berufs-)Alltag

  • Beobachten Sie Ihre inneren Dialoge mit derselben Aufmerksamkeit, mit der Sie einem Gesprächspartner zuhören würden. Fragen Sie sich in herausfordernden Momenten: Was erzähle ich mir gerade über diese Situation oder über diesen Menschen, und aus welcher Erfahrung stammt diese Geschichte? Oft sind es alte Muster, die (oft unbegründet) im Hier und Jetzt weitersprechen.
  • Ersetzen Sie automatische Bewertungen bewusst durch Neugier. Ein inneres «Der meint es böse» kann in ein offenes «Was könnte noch gemeint sein?» verwandelt werden. Diese kleine Verschiebung (Reframing) verändert bereits Ihre innere Haltung – und damit auch Ihren Tonfall, Ihre Körpersprache und Ihre Wortwahl.
  • Sprechen Sie schliesslich aus Ihrer eigenen Wahrnehmung statt aus Anklage. Ein Satz wie «Ich fühle mich übergangen» lädt zum Verstehen ein, während «Du nimmst mich nie ernst» meist nur Verteidigung auslöst – es geht hier also um die Ich- anstelle der Du-Perspektive. So wird Sprache zu einer Brücke statt zu einer Mauer zwischen Ihnen und Ihrem Gegenüber.

Fazit

Kommunikation ist kein reiner Austausch von Worten, sondern ein Zusammenspiel aus Gedanken, Gefühlen, Erfahrungen und Sprache. Wer versteht, wie stark die eigene innere Welt jedes Gespräch prägt, kann Missverständnisse erkennen, bevor sie eskalieren. Bewusste Kommunikation bedeutet nicht, perfekt zu sprechen – sondern sich selbst und andere klarer wahrzunehmen.

«Verständigung beginnt dort, wo wir unsere eigenen Gedanken ernst nehmen.»

Manche Gedanken und Reaktionsmuster begleiten uns schon so lange, dass wir sie kaum noch bemerken – und doch bestimmen sie oft, wie wir sprechen, zuhören und uns zeigen. Gerade in angespannten oder verletzlichen Momenten wird das deutlich.

In Coaching, Mediation und Training entsteht ein achtsamer Rahmen, in dem diese inneren Verhaltensmuster behutsam sichtbar werden dürfen. So können sich neue Blickwinkel und Worte entwickeln, die wieder mehr Klarheit, Verbindung und gegenseitiges Verstehen ermöglichen – nach innen wie nach aussen.

Melden Sie sich bei mir, wenn Sie Ihre Kommunikation bewusster gestalten möchten – gerne begleite ich Sie in der Wellkomm-Gesprächsoase dabei.

Eine gekonnte Kommunikation mit sich selbst und anderen ist zentral für
Klarheit, Harmonie und wirkungsvolles Handeln – das A und O!

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